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Freitag, 27. Februar 2015, 16:41

Was ist der Sinn einer Vereinsfahne heute?

Hallo!

Ich ging zum Chor, weil ich singen wollte. Der Chor ist als Verein organisiert. Also wurde ich Chormitglied. Aber in diesem ganzen System gibt es etwas, was ich nicht verstehe.
Der Musikverein ist über 140 Jahre alt und besitzt eine Vereinsfahne aus dem Jahr 1920 oder so. Diese ist mit Seide gestickt im Stil der damaligen Zeit, offensichtlich sehr wertvoll, aber inzwischen marode. Da ist auch ein Spruch darauf, irgend etwas mit "deutschen Gesang" (wobei unser Chor sehr viel Englisches singt!). Nun wollen einige Chormitglieder (ich glaube mehr als die Hälfte) für zig Tausend Euro diese Fahne reparieren bzw. durch eine genauso aufwendige neue Fahne ersetzen lassen.

Momentan wird diese Fahne einmal im Jahr zum Gedenkmarsch am Volkstrauertag herausgeholt und vorangetragen (es sei denn, es regnet, dann geht es ohne Fahne). Selten wird sie bei einer Beerdigung oder als Teil der Dekoration bei einem Konzert verwendet. Früher wurde sie beim Fronleichnamsprozession getragen, was aber nicht mehr jedes Jahr erfolgt. Ansonsten verbleibt sie in einem Schrank und verursacht auch noch Kosten (Versicherung).

Es tut mir Leid, aber ich sehe den Sinn dieser Fahne nicht. Liegt es daran, dass ich im Gegensatz zur Mehrheit in meinem Verein weder katholisch noch ein Einheimischer bin?

Warum wollen die Vereinsmitglieder offensichtlich Zeit, Energie und Geld für dieses Fahnenprojekt aufbringen?

Wer kann es mir erklären?

Canary

Wie gesagt, ich bin im Verein, um im Chor zu singen und dafür brauche ich keine Fahne.

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2

Samstag, 28. Februar 2015, 12:20

Hallo Canary,
sorry, ich kann Deine Ansichten in keinster Weise verstehen oder nachvollziehen.

Auch wir haben eine Fahne, wie auch mein alter Chor in Thüringen eine Fahne hat.
In Thüringen finden öfters Festumzüge statt, als hier in Berlin, weswegen die mitgeführten Fahnen in Thüringen einen (meiner Meinung nach) höheren Stellenwert haben. Hier in Berlin hängt unser Banner (ähnlich, wie eine Fahne, aber auch aus Samt und Seide) im Vorstandszimmer und wird auch sehr selten genutzt. Aber die Fahnen und Banner haben einen zeitlosen und unersetzlichen Wert, stammen sie doch von den Gründungsvätern unserer Vereine.
Ich würde Deine Ansicht besser nachvollziehen können, wenn es einen Verein gibt, der in der jetzigen Zeit neu gegründet wurde und darüber nachdenkt, ob man eine Fahne braucht. Hat man aber schon eine Fahne von z.B. 1867 (MGV Concordia Kleinschmalkalden 1867) dann ist diese so wertvoll, daß sich deren Erhaltung auf alle Fälle lohnt und für deren Restauration ich mich immer und in jedem Fall stark machen würde. Solche Fahnen sind unersetzbare Werte!!!

Auch wenn unser Banner der Berliner Liedertafel nicht so oft zum Einsatz kommt, 2007 kam es zum Einsatz!
Mit der Berliner Liedertafel fuhren wir nach Thüringen zum 140jährigen Jubiläum meines alten Chores MGV Concordia 1867.
Wie in Thüringen üblich fand ein Festumzug statt mit knapp 20 Chören und mehreren Blaskapellen und Spielmannszügen usw.
Ich durfte das Berliner Banner tragen. An dem Tag, an dem ich mit dem Berliner Banner durch mein thüringisches Heimatdorf lief,
war ich gefühlte 3 m groß!!! Das war ein großartiger Tag für mich und ich war stolz, wie Oskar!!!

Jedes Mal, wenn ich in das Vorstandszimmer komme und dieses Banner dort hängen sehen,
rufe ich automatisch dieses großartige Erlebnis in Erinnerung!

Ich hoffe, ich konnte Dir einigermaßen die Wertschätzung eines solch großartigen Reliktes wie einer Fahne oder eines Banners vermitteln. Respektiere diese Entscheidung Deiner Mitsänger, sie haben recht, wenn sie meinen, diese Fahne restaurieren und erhalten zu müssen, denn wie ich jetzt schon mehrfach sagte, hat diese Fahne nicht nur einen materiellen Wert - die anderen Werte sind es, die sie so wertvoll machen!!!

:thumbsup:

Matthias Funk, 1. Baß

Schriftführer
Berliner Liedertafel 1884 e.V.

www.berliner-liedertafel.de

3

Samstag, 28. Februar 2015, 14:49

Vielen Dank, Matthias, für Deine Meinung. Den historischen Wert unserer alten Fahne stelle ich gar nicht in Abrede, aber wenn man sie nicht mehr verwendet, kann man sie auch im "maroden Zustand" in einem Glaskasten tun und im Museum aufheben, oder? Dann ist sie noch vorhanden. Unser Verein hat gar kein Vereinslokal und auch kein Vorstandszimmer, daher bleibt die Fahne oft 364 Tage im Jahr unsichtbar in einem Schrank in Verwahrung.

Einige meiner Mitsänger wollen für ca. 4000 € eine neue Fahne auf der herkömmlichen Art (Samt und Seide), vielleicht mit moderneren Abbildungen und einem zeitgemäßen Spruch (??), sticken lassen und ich frage mich schon, was sie damit machen wollen, wenn sie erst einmal da ist, denn Festumzüge gibt es in unserer Gegend sehr selten.

Ein anderes Problem für mich ist die sog. Fahnenweihe. Als die alte Fahne in den 1920er Jahren in Dienst gestellt wurde, war unser Dorf rein katholisch und die Weihehandlung fand wie selbstverständlich in der katholischen Kirche statt. Heute ist die Bevölkerung gemischt und der Gesangverein hat Mitglieder beider Konfessionen. Dann müsste eine neue Fahne irgendwie in beiden Gotteshäusern geweiht werden, oder?

Canary

P.S. Wer hat Erfahrung damit - sollten wir versuchen, die ca. 90-Jahre alte Fahne zu restaurieren und weiterzunutzen oder sie lieber konservieren, ins Museum stellen und eine neue in Auftrag geben?

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Canary« (1. März 2015, 09:16) aus folgendem Grund: Weiterer Gedanke


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Heiko

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4

Montag, 2. März 2015, 09:43

Hallo zusammen :-)

Matthias - das Du stolz wie Oskar warst kann ich absolut verstehen.

Canary - die Fahne hat rein gar nichts (für mich jedenfalls) mit irgendeiner Glaubensrichtung zu tun.
Sie gehörte damals einfach "dazu" und ist ein Stück Brauchtum das ich auch nicht missen möchte.

Der Erhalt dieses Brauchtums und die Wertschätzung gegenüber unseren "Grundungdsvätern" alleine ist es geschuldet, dies zu erhalten.

Ich singe einmal im MGV-1853 - hier sind Fahen und Banner vorhanden, die gut sichtbar bei uns im Proberaum hängen (wurden auch schon mal restauriert)
und sind so oft es geht bei Auftritten etc. dabei. Das gehört einfach dazu - finde ich.

Mein "kleiner" junger Chor (Acapella Gruppe, vor ein paar Jahren gegründet) hat sowas nicht und ich glaube auch nicht das irgendjemand aus diesem Chor eine Fahne
haben möchte, das passt hier einfach nicht in die heutige Zeit.

Eine kleine Geschichte zu unserer Fahne vom MGV-1853 - ich war leider nicht persönlich dabei - aber es muss sehr ergreifend gewesen sein.
Anhand dieser Geschichte kann man sehen, welchen Stellenwert so eine Fahne für einige haben kann :-)

http://www.mgv1853.de/die-geschichte-unserer-fahne.html
--
Schöne Grüße, Heiko

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5

Freitag, 13. November 2015, 16:31

Hallo Canary,

für deine Auffassung habe ich vollstes Verständnis. Ich bin auch der Meinung, dass im Endeffekt keine Fahne benötigt wird. Ich bin auch Chorleiter. Aaaaber:
Ein Chor in klassicher Struktur ist eine Besonderheit. Er ist nämlich zweigeteilt. D. h., auf der einen Seite ist wie z. B. bei der Industrie die Produktion (der Chor), auf der anderen Seite die Verwaltung (der Verein). Die Verwaltung ist prinzipiell konservativer eingestellt und legt auf Traditionen sehr viel Wert.
Jede Seite hat ihre Berechtigung und oft macht das auch Sinn. Ich habe in meinen Chören ihnen auch immer ihre Freude gelassen, wenn ich auch daran denke, welch schöne Verstärkeranlage und Keyboard man für das Geld bekommen würde...
Aber so ist das eben: Leben und leben lassen.
Beste Grüße, Joachim
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Donnerstag, 26. November 2015, 12:20

Na, das die Verwaltung konservativer eingestellt ist liegt meistens am Alter der Verwaltung.
Diese "Alten" halten an Traditionen fest wie es schlimmer nicht mehr geht.

Das haben wir immer so gemacht und das machen wir weiterhin so. PUNKT. Diskussion nicht möglich.

Da bleibt nur eins .... die Verwaltung verjüngen :thumbup:
--
Schöne Grüße, Heiko

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7

Dienstag, 1. Dezember 2015, 16:03

Die Verwaltung verjüngen? Ja! Aber diese Jüngeren sind bei den Chören sehr dünn gesät. Ein paar fortschrittliche Junggebliebene wäre auch nicht schlecht.
Beste Grüße, Joachim
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Dienstag, 1. Dezember 2015, 18:24

"Ein paar fortschrittliche Junggebliebene wäre auch nicht schlecht."

Da zähle ich mich mit knapp über 40 mal zu ;-)
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Schöne Grüße, Heiko

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Mittwoch, 2. Dezember 2015, 10:05

Na also, ist doch schon mal ein neuer 1. Vorsitzender-Anwärter vorhanden. :D
Beste Grüße, Joachim
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Mittwoch, 2. Dezember 2015, 18:05

Nene, bin zurzeit 1. Kassierer, das sollte reichen :D
--
Schöne Grüße, Heiko

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