Männergesang in Helenenau
Berliner Liedertafel beim Chorprobenwochenende
Wie schon oft begab sich die singendeMannschaft der Berliner Liedertafel in Klausur, um mit Sonderproben ihre sanften Stimmen nochmals zu verbessern.
Normalerweise wird das Chorproben-Wochenende ja im November zur Vorbereitung auf das Weihnachtskonzert eingelegt. Diesmal werfen aber noch andere große Konzerte, mit ganz besonderer Bedeutung ihre Schatten voraus. Wie jeder weiß wird die Liedertafel 125 Jahre jung!
So ein Chorprobenwochenende, das ist fast wie zwei Monate proben. Zumindest von der Stundenzahl. Was es bringt, dazu später mehr.
Wer ein aufmerksamer Leser des „Merker“ ist, der hat inzwischen mitbekommen, dass es ist nicht ganz einfach ist, Helenenau zu finden. Jedenfalls für einige Menschen mit Navigationssystemen. Deshalb gab es diesmal eine Anfahrtsskizze, die aber auch den Mangel hatte, einige mögliche Wege einfach zu ignorieren. Immerhin, es hat jeder den Weg zeitgerecht gefunden.
Organisation
Man kann es nicht genug loben: Die Leute, die das alles organisieren. Unsere musikalische Leitung, die sich Gedanken macht, was geprobt werden soll und wie.
Die Vereinsleitung, auch Vorstand genannt, die uns mit Wegbeschreibungen, mit Listen über die Zahlungen und mit Zeitplänen ausstattet, unser Notenwart, der immer noch eine Note extra dabei hat, auch wenn er sie schon 3 Mal verteilt hat, unser bayerischer Exilant, der Dinge produziert und und und...
Das ist jetzt nicht albern gemeint, es klappt aber wirklich alles gut! Wer meint, das ist alles keine Leistung, der soll es mal selbst machen, ich jedenfalls bin froh, dass wir so engagierte Leute haben. Auch wenn Vincent Jaufmann und Siegrid Höhne-Friedrich es bezahlt bekommen, was sie machen, es geht über das hinaus. Da ist Freude und Einsatzwillen zu merken und auch die Tatsache, dass sie sich eben wohl fühlen, selbst wenn wir sie mal zur Verzweiflung treiben.
In der Pension war auch alles wie gewohnt. Selbst wenn mal was nicht so lief, man war immer freundlich. Bei der
Ankunft, Zimmerschlüssel und Zimmer vorbereitet. Einmal gab es einen kleinen Kritikpunkt: Das Mittagessen am Samstag kam zu spät. Aber auch hier das sichtliche Bemühen, trotz unseres Ärgers freundlich zu bleiben. Eine Köchin war einfach nicht erschienen. Das ist ärgerlich für alle beteiligten Personen.
Probenarbeit
Damit haben wir aber die schlimmste Kritik hinter uns gelassen. Kommen wir nun zum Wichtigsten: Wir machen das ja, um uns zu verbessern. Man vergisst eben in einer Woche unwillkürlich doch das eine oder andere. So ein Wochenende ohne Ablenkung bringt einen da schon weiter und festigt auch die Ergebnisse. Es stand einiges an neuen Stücken auf der Arbeitsliste. Ein Haydn („Komm holder Lenz“), ein Butz („Auf ihr Brüder“), ein Grundmann („Die lust’gen Musikanten“) und (!!) ein Adolf Zander („Jubilate“ -Russischer Vesperchor). An anderen Stücken wurde gearbeitet.
Wir sind in den neuen Stücken noch nicht perfekt, aber hier wächst etwas Neues und Gutes heran. Vor Bremen haben wir auch neue Stücke geprobt und sind in sie „hineingewachsen“. Hier zeichnet sich etwas Ähnliches ab. Es wird auch wieder die schon bewährten Proben-CD geben, die das Selbststudium unterstützen sollen, aber natürlich keine Probenarbeit ersetzen können.
Mancher Weg, den wir jetzt beschritten haben, war steinig und schwer. Dieser Weg wird kein leichter sein (wo habe ich das nur schon gehört?). Er war für uns Sänger nicht leicht, weil es einige Stellen gibt, die uns fordern, und wir eine musikalische Leitung haben, die sich nicht mit halben Sachen zufrieden gibt, was auch gut so ist.
Für unseren Dirigenten und unsere Stimmbildnerin war es auch nicht immer leicht, die Contenance zu bewahren („...so unmusikalisch kann man nicht sein, das ist derselbe Ton, wie zuvor...“). Sind wir ja auch nicht, aber es ist natürlich anstrengend, schon in der 5. vollen Stunde neues in den Kopf zu stopfen und die Töne richtig zu bringen, den Rhythmus zu halten, auf den Text zu achten und die richtige Taktzahl zu finden.
Manchmal macht uns Vincent auch ein Kompliment, das erst als Witz aufgefasst wird: „Ihr klingt so schön, wenn ihr piano singt, also singt auch piano.“ Wir lachten und dachten, er meint, wir sollen so leise singen, dass man uns nicht mehr hört, aber es war eine Pianostelle und folglich zwar auch witzig, aber eben auch ein Ansporn! Also ich jedenfalls lasse es mir nicht ausreden!
Auch sorgten wir für unsere eigenen Lacher: Bei den „lustigen Musikanten“ sang ein Stimmführer: „… das Waldhorn bellt ...“. Tut es aber nicht, es „gellt“ nur.
Was nach Auskunft unseres aus dem Süddeutschen stammenden Notenwarts Gerd Blod bedeutet, dass „es ruft, schallt“.
Aber am nächsten Tag bellten einige Waldhörner (keine Nebelhörner).
Die Disziplin war im Großen und Ganzen gut. Fast alle immer pünktlich. Konzentriert gearbeitet, mit kleinen Abstrichen. Manchmal muss es aber auch gestattet sein, einen Lacher zu produzieren, einen Spruch zu machen. Es gab zweimal die Situation (ich war selbst einmal beteiligt!), dass sich zwei Sänger gegenseitig verbesserten. Es ist schwer, was soll manmachen? Den Fehler verschweigen? Dem Chorleiter melden, dass es einen kleinen
Fehler gab? Ich will das nicht rechtfertigen, nur erklären, manchmal stört eben auch etwas, was man gut meint. Wir sind aber eben auch alle Hobbysänger. Das bedeutet, wir machen es, weil wir Spaß haben. Wir wollen es ja ernst nehmen, aber manchmal klappt es nicht ganz. Das soll es jetzt dazu gewesen sein.
Fast schon traditionell bekamen wir Besuch von unserem „alten“ Chorleiter, Friedrich Rechenberg. Er fühlte sich wohl und lauschte sichtlich gespannt und aufmerksam den Proben, nachdem er freudig und herzlich nach Liedertafelart begrüßt wurde.
Nachtleben
Kommen wir zum nächsten wichtigen Punkt: Das Wort „Nachtleben“ Ist ein wenig übertrieben für so einen Arbeitsausflug.
Aber wie wollen wir es sonst nennen? Ein Chor braucht ein paar Dinge, um gut zu klingen: Einen guten Chorleiter, gute Stücke, fleißige Probenarbeit, motivierte Sänger und eine Gemeinschaft! Wir haben von allem. Die Gemeinschaft entsteht aber durch den Spaß, den man hat. Den holten wir uns nach den Proben beim Bier.
Teil aller Probenarbeit sind unsere Trinksprüche und Toaste. Meine beiden Toasthefte fallen langsam auseinander, weil ich sie gern hervorziehe, weil ich sie anderen zeige und weil ich sie eben doch immer mal brauche. Sie sind aber auch eine gute Übung (Vincent, Du bist durchschaut!). Natürlich machen sie Spaß! Aber es übt sich eben auch Harmonie, Mehrstimmigkeit und Rhythmus. Man kann sie beim Bier sehr schön singen, wie
übrigens auch die „Traube - Tonne“, wenn die auch einige am liebsten nur noch mit „bundespräsidialer Unterstützung“ singen wollen.
Was also dem Proben folgte, war ein fröhlicher Abend mir ausreichend Bier, vielen Witzen und sehr viel Musik! Es saßen wieder einige, bis der Morgen kühlte. Dabei wurde auch diskutiert und ein wichtiges Thema war die BL. Natürlich suchte man auch gegenseitigen Rat und Hilfe, beides wurde gern gewährt.
Manchmal hilft es ja schon, wenn man nur jemanden zum Quatschen hat. Was aber nicht bedeutet, hier wird nicht gestritten, nein, es wird diskutiert, aber mit Anstand und Achtung voreinander. Das wieder führt zur Harmonie, die eben auch wichtig ist.
Bevor es an die „Bar“ ging, gab es abends, nach getaner Arbeit (!!) die inzwischen schon obligatorische Spende von Ivan Ljubenkos „geistigen Getränken“. Mit fachkundigen Erläuterungen zu den einzelnen spiritushaltigen Geistern. Obwohl sie, wie immer, lecker und gut waren, schlug niemand über die Stränge, sondern alle blieben bei ein oder zwei Schnäpschen, was dem Anlass nach angemessen erscheint. Damit soll auch dieses ausreichend behandelt sein.
Schrecksekunde
und Zusammenfassung
Eine Sache muss ich noch erzählen; sie passt sonst nirgends rein, deshalb hier: Mal abgesehen von ein paar kleineren Erkältungen ging es allen gut, bis auf eine Schrecksekunde. Nach der Probe am Samstagabend stolperte Gerhard Struck unglücklich über einen hervorstehenden Deckel im Boden, der in der Dunkelheit nicht zu sehen war, und schlug der Länge nach auf märkischen Boden. Es ist gut gegangen! Er hat nur ein paar Kratzer abbekommen. Es hätte aber auch anders ausgehen können. Ein „Veilchen“, wenn auch ein kleines, blieb jedoch übrig. Er konnte immerhin sagen, dass man sich „seinen Gegner“ ansehen könne. Ich hab es getan! Eine hinterlistige, stählerne Platte von Deckel und eine gemeine, riesige Betonplatte. Ich versichere, beide hatten mehr Kratzer als unser Ehrenmitglied. Wir alle wünschen ihm alles Gute!
Ansonsten? Auch wenn es für Vincent anstrengend war, wie ich ja schon ein oder zwei Mal andeutete, hatte ich den Eindruck, dass er das Wochenende als erfolgreich ansah. Darauf kommt es vor allem an.
Auch wenn die Daheimgebliebenen es nicht glauben können: Es war anstrengend.
Es waren aber auch alle fröhlich, kein düsteres Gesicht bei der Abfahrt. Man kann ja denken, was man will. Vielleicht meint manch ein geneigter Leser: „Ah, jetzt haut er wieder auf den Putz und redet schön, was nicht so ist.“ Ich freue mich schon auf den November, wieder an gewohnter Stelle. Jetzt kommt’s: Die anderen auch!
Wir haben uns die nötige Luft geschaffen, um in Ruhe weiter für die anstehenden Konzerte zu proben. Wir können jetzt ein bisschen mehr machen, etwas mehr feilen. Damit sind wir ein Stück besser und die
Konzerte werden noch mehr Glanz haben, noch mehr Spaß machen, uns und den Zuhörern. Wir sind zusammengerückt. Wir haben ja auch ein paar Neue und Wiederkehrer. Die sind jetzt noch mehr „welche von uns“ geworden. Wir brauchen solche Wochenenden für die Gemeinschaft, für den Erfolg, aber auch, weil‘s Spaß macht. Es ist der Beginn eines sehr spannenden Jahres. 125 Jahre jung, große Ziele vor Augen: Wir freuen uns drauf…
Thomas H. Reiche