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Berliner Liedertafel

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Dienstag, 1. Juni 2010, 20:20

Japanreise der Berliner Liedertafel 2010

Was habe ich überlegt, wie ich das mache und wie ich es nenne. Ich habe es auch schon als „Our Trip to Asia“ bezeichnet. Aber wird eine solche flapsige Bemerkung dem Ereignis überhaupt gerecht? Dann habe ich überlegt, wie mache ich das, wie baue ich das auf? Ein Tagebuch bietet sich an. Meine Fotos habe ich nach Tagen geordnet und da könnte man gut entlang hangeln. Ich denke aber, den Ablauf kann man schon aus den Vorbereitungsunterlagen und den alten Merkern entnehmen, außerdem werden viele ein eigenes Tagebuch haben. Also habe ich es einfach nach Themen sortiert und werde es so aufarbeiten.
Dann bin fast durch und erhalte die anderen Beiträge zu Japan und merke, es ist besser man wartet auf den letzten Abgabetermin und setzt sich nachts hin. Ist nur ein Scherz...
Weiter zu meinen Vorbemerkungen: Es ist natürlich eine eigene Sicht und manchmal gibt es Dinge, die ich allein erlebt habe oder nur eine kleine Gruppe. Dann fehlen Dinge, die ich nicht gemacht habe, andere aber schon. Für beides je ein Beispiel, dann gehen wir in die Vollen.
Ich habe einen Nachtspaziergang durch Hiroshima gemacht und eine Seite der Stadt entdeckt, die ich sehr interessant fand. An jeder Ecke Straßenmusiker. Eine Stadt voller Lebensfreude. Extrem fröhlich, fröhlicher als alle anderen Städte, die wir erleben durften, dabei waren alle sehr fröhlich. Ich werde dazu später noch einmal kommen.
Ich war nicht beim Sumo dabei. Ich habe mir gesagt, wenn ich dicke halbnackte Männer sehen will, dann schaue ich morgens in den Spiegel des Badezimmers (in Tokio ein beheizter). Das fehlt und es ist natürlich eine Sache, die dem entsprang, was mich interessierte und was nicht.
Thomas H. Reiche; 1. Bass

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Dienstag, 1. Juni 2010, 20:21

Die Konzerte

Die Japanreise war eine Konzert- und Chorreise und deshalb gehört dies an die erste Stelle, jedenfalls aus meiner Sicht. Ich will es kurz machen, denn der Bericht unseres Dirigenten, Vincent Jaufmann, sagt viel mehr und ist wunderbar emotional. Das kann man nicht noch toppen. Aber man kann einiges bestätigen oder aus Sängersicht ergänzen.
Wir hatten vier Auftritte: Zwei klassische Konzerte, einen Gottesdienst und den Empfang in der Residenz des deutschen Botschafters in Japan.
Das erste Konzert kam schnell. Es war das Konzert in der Yokohama Minato Mirai Hall. Bevor ich von dem Saal und dem Konzert schwärme, erst noch etwas anderes sehr viel wichtigeres:
Der fantastische Empfang vor dem Künstlereingang der Halle! Ich glaube selbst den ungläubigsten Reiseteilnehmern wurde nun klar, was für eine emotionale Sache das werden würde! So herzlich und freundlich wurden wir empfangen und wir hatten doch noch gar nichts gemacht. Irgendwie hatte man das Empfinden, wir kehren zu wirklich guten Freunden heim. War ja auch irgendwie so. – Mehr kann und will ich gar nicht sagen, denn solche Emotionen muss man für sich selbst erleben und mit sich selbst klar machen, aber ich denke, alle haben es so empfunden. Das sagte jedenfalls jedes Auge in das man blickte.
Der große Saal ist ein Vergnügen. Was für eine gute Akustik, eine gute Sicht von allen Plätzen und eine große Bühne. Der Saal hat genau, wie der in Tokio etwa die Struktur der Deutschen Oper Berlin (um denen eine Vorstellung zu geben, die nicht dabei waren). Die Garderoben waren gut und sehr professionell.
Dann folgte die Probe. Etwas lang, vor allem, weil doch einige noch nicht so fit waren. Aber, was nötig ist muss gemacht werden. Wir hatten ja auch schon abends in Tokio geprobt, mit der Pianistin und dank der Vermittlung unserer Freunde.
Einigen, so auch mir taten allerdings die Füße weh, stehen ist oft schwerer als laufen. Aber es hat sich gelohnt! Wir haben einen wirklich guten Auftritt hingelegt. Wir mussten uns nicht verstecken, wir überraschten mehrmals unsere Gastgeber, sowohl von der Leistung als auch von den Stücken her. Die von Vincent geplanten Steigerungen in den einzelnen Blöcken (so habe ich es empfunden) war ein Erfolg und der gemeinsame Auftritt mit allen Sängern, das war der Höhepunkt.
Wer selber singt und nicht dabei war, das war so emotional, wie der Auftritt für „Rettet den Turm“ und es waren mehr Zuschauer und mehr Sänger!
Das nächste Event war dann die Umrahmung des Gottesdienstes zum Ostersonntag in der Kreuzkirche. Ein schöner Gottesdienst, einer in einem nicht christlichen Land. Sehr musikalisch und sehr gefühlvoll von uns vorgetragen, auch wenn wir einmal stolperten, es tat dem guten Gefühl, das alle hatten keinen Abbruch. Dieses Gefühl muss auch die Gemeinde bewegt haben, jedenfalls sagten das alle nach dem Gottesdienst.
Es folgte das, was man eine große Ehre nennen muss. Die Liedertafel trat in der Residenz des deutschen Botschafters in Tokio auf. Ich verweise hier ausdrücklich auf den Bericht von Vincent. Besser kann man es nicht ausdrücken. Gemeinsam mit den japanischen Chören machten wir beim Botschafter und dem Personal der Botschaft Werbung für unser Konzert und der Botschafter hat auf sie gehört. Womit wir diesen Block dann auch schon zum Ende bringen.
Das letzte Konzert, eine Nummer kleiner als das in Yokohama, aber immer noch sehr imponierend, fand in Tokio statt. Es war unser bester Auftritt aus meiner Sicht. Was nicht bedeutet, die anderen wären schlecht gewesen, ganz im Gegenteil, aber nun waren wir angekommen, auch was die Zeit anging, wir hatten geprobt und waren in dem Auftrittsrhythmus. Das musste sich auszahlen und tat es dann auch. Es wäre schlimm, wenn dem nicht so wäre.
Ich möchte hierbei ein kleines Fazit ziehen: Wir entwickelten uns kontinuierlich. Der Projektchor war durch die Auftritte immer mehr zusammengewachsen, schon der Probensamstag in Berlin hatte geholfen. Die gemeinsamen Erlebnisse verbanden uns mit den Gastsängern, sie wurden zu Freunden und wir wussten immer besser, wie wir uns untereinander einschätzen mussten, wann man einem Nebenmann helfen musste und wann man sich von wem helfen lassen konnte. Es war so, wie sonst auch immer bei den Auftritten der BL.
Eine Kleinigkeit noch: Ich bin sicher nach den Konzerten schwebte Vincent wirklich über die Bühnen, aber auch die japanischen Dirigenten und auch wir Sänger. Allerdings sah man es bei uns nicht so deutlich, wir bewegten uns ja nicht..
Thomas H. Reiche; 1. Bass

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Dienstag, 1. Juni 2010, 20:22

Empfänge, Feiern, Partys

Was war das emotional! Nach den Konzerten. Alle geradezu aufgepeitscht. Die Japaner emotional wie man sie sonst nicht erlebt. Es gab so viel zu besprechen. Die Worte, die man offiziell fand, genau wie die Worte, die man auf einer kleineren Ebene fand. Herr Masumitsu Miyamoto, Dirigent des Yokohamer Männerchores, sagte es in der Probe sehr treffend: „.. Wir haben eine gemeinsame Sprache, die Sprache der Musik. ..“
Es gab die verschiedensten Themen, aber immer wieder Musik und das Gespräch über Musik. Ich darf aber auch von den Buffets schwärmen. Das war wirklich erste Klasse! So viel, so gut und wehe man hatte mal einen leeren Teller. Eine nette Japanerin oder ein netter Japaner fragte sofort besorgt, was man denn noch suchen würde und empfahl einem etwas.
Beim Thema Essen eine kleine Geschichte: Die Essen waren in Japanisch und Englisch beschriftet. Ein Essen nannte sich Jellyfish-Salat. Ich habe nachgefragt, es handelte sich wirklich um das was draufstand. Nicht jeder konnte mit Jellyfish etwas anfangen. Ich habe es gern allen erklärt, die ich finden konnte und nicht jeder wirkte danach 100% begeistert: Jellyfish ist Qualle. Die Qualle wird getrocknet und in streifen geschnitten, dann eingelegt und mit Seetang und anderen Gemüsen gemischt. – Mir hat er geschmeckt.
Ich habe hier in Berlin natürlich auch anderen berichtet und konnte berichten, dass die Japaner bei den Feiern überzogen hätten. Ich erntete immer ungläubiges Kopfschütteln. Sie haben es aber getan.
Noch etwas ganz besonderes: Am Ende standen alle, die Arme um die Schultern gelegt und sangen zum Abschied, manches Auge mit einer Freudenträne gefüllt. Die Japaner haben es wirklich getan, sie haben uns nicht nur die Hände gegeben, nein, sie haben uns wirklich in den Arm genommen. Ich weiß nicht, ob jeder begreift, wie ungewöhnlich dies in einer Gesellschaft ist, wo Berührungen für die Familie und engste Freunde vorbehalten sind und auch noch in einer so großen Gruppe! Das ist eine besondere Geste, eine, die man als Auszeichnung und als Anerkennung wirklich höchster Freundschaft rechnen kann, nein muss!
Um ein Beispiel zu geben, was so gesprochen wurde und wie die Leute reagiert haben möchte ich drei kurze Beispiele geben, die ich persönlich erlebt habe. Ich weiß, dass sie nicht typisch sind, aber auch nicht untypisch:
Auf der Party in Yokohama kam ein älterer Japaner auf mich zu und sagte in sehr tiefer Stimme(ich übersetze, er sprach englisch): „Ich kenne sie, sie sind Mr. Reiche, sie schreiben für den Merker. Ich habe gelesen, was sie über das politische System und die Geschichte Japans geschrieben haben. Ich habe es alles gelesen, sehr genau.“ Dann drehte er sich um und lies mich stehen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass man auch in Japan lesen würde, was ich hier schreibe und meine Kritik war nicht böse gemeint gewesen, aber leider haben sie mindestens einen verärgert. Das wollte ich nicht, es war nie meine Absicht die innere Harmonie von irgendeinem Menschen zu stören.
In Tokio passierte etwas vergleichbares, aber unter anderem Vorzeichen: Ein Sänger der TLT kam auf mich zu und sagte, dass er und viele andere den Merker lesen würde, sie würden ihn übersetzt bekommen und er würde meine Beiträge gern lesen und es hätte ihm gefallen, was andere und ich über Japan geschrieben haben. So unterschiedlich können die Bewertungen sein.
Eine weitere Begebenheit fand in der deutschen Botschaft statt: Ich hatte mit einem Sänger in Yokohama das Heft von 1980 durchgesehen und dabei auch Bilder gefunden auf denen mein Onkel Hans Schuster und mein Vater zu sehen waren. An meinen Vater erinnerte er sich, weil er damals eine japanische Polizeimütze geschenkt bekommen hatte (wir haben sie immer noch und halten sie in Ehren). Er fragte mich nach beiden und ich sagte ihm, dass sie leider inzwischen verstorben waren. In der Botschaft kam er nun auf mich zu. Er hatte einen Sakebecher und eine kleine Flasche mit Sake dabei. Er sagte ganz schlicht, er würde gern einen Schluck auf meinen Onkel und einen auf meinen Vater mit mir trinken und an sie denken. Natürlich haben wir das getan. – Für mich ein ganz besonders emotionaler Moment, für den ich dankbar bin.
Ich hatte den Eindruck, dass es vielen so ging wie mir. Es gab sehr persönliche Momente, Momente, die die Verbindung zwischen den Chören als Ganzes demonstrierten, aber eben auch sehr persönliche Momente.
Ich muss auch sagen, sehr schön waren die Geschenke, die wir bekommen haben. Ob es die gemeinsamen waren oder auch die persönlichen, sie zeugten von Gedanken, die sich unsere Gastgeber gemacht haben. Auch dafür noch einmal Dank an unsere Gastgeber, auch auf diesem Weg und sowohl persönlich als auch allgemein.
Thomas H. Reiche; 1. Bass

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Dienstag, 1. Juni 2010, 20:22

Tokio – Tokio ist so plasic, es ist schon fat

Also mein Eindruck ist, genau wie in Deutschland Berlin nicht das Land ist, ist Tokio nicht Japan.
Das verwundert nicht wirklich. Tokio ist einfach zu sehr Zentrum, zu sehr Kopf. Zuviele Menschen .. Entsprechend ist es aber auch spannend. Junge Japaner sind genau, wie junge Menschen überall auf der Welt etwas anders als die Gesellschaft als Ganzes. Aber hier kommt noch so viel dazu. Tokio ist der Macher von Mode und Trends. Ich habe noch nie so viele Markenklamotten an jungen Menschen gesehen, wie hier. Dazu so merkwürdig kombiniert. Teure Schuhe, aber zwei Nummern zu groß. Ein Dirndl, aber Punkfrisur. Es ließen sich tausende Beispiele finden. Manches wirkte aus unserer europäischen Sicht aber kitschig oder schräg. Aber dieser Kitsch und diese Schrägheit werden so begeistert und so pur gemacht, dass sie eben doch trendig sind. Japan ist eben anders.
Manches ist eben doch japanisch. So der Gegensatz zwischen Moderne und Tradition. Wo saßen die schrägsten Jugendlichen? Direkt vor dem Meiji-Schrein. Aber auch hier gibt es einen Unterschied zu unserer Gesellschaft. Die Jugendlichen waren unglaublich freundlich und höflich. Fragte man sie etwas erzählten sie von sich, von ihren Modevorstellungen und waren einem alten Menschen, wie mir, gegenüber sehr höflich. Hätte ich das ansatzweise hier in Berlin gemacht, ich hätte zu hören bekommen: „Stirb endlich du Gruftie.“
Neben diesem erlebten wir, bereits am ersten Tag, aber natürlich begleitete es uns durch die ganze Reise, die Kirschblüte. Jung und alt streben an die Plätze, wo sie zu bewundern ist. Männer und Frauen aus den Büros nutzen die Mittagspause, um sich unter den Kirschbäumen zu entspannen. Dazwischen laufen Schülerinnen und Schüler, genau wie ältere Menschen. Man bewundert die Schönheit und Vergänglichkeit der Kirschblüte. Rund herum tobt aber das Leben der Großstadt.
Dieser Gegensatz von Ruhe und Harmonie, Hektik und Moderne sind ein Kennzeichen für Tokio. In keiner Stadt war es so ausgeprägt wie hier.
Ein besonderes Erlebnis ist das U-Bahnfahren. Ich bin zweimal in die Rushhour gekommen und durfte erleben, wie es ist, wenn man nicht mehr den Arm heben kann. Dabei hatte ich als Europäer ja noch Glück, im Schnitt blicke ich über die Köpfe der Japaner hinweg. Man hat somit ein gewisses Gefühl von Luft und Platz.
Auf der anderen Seite muss man staunen, wie verständlich das System der U-Bahnen und S-Bahnen ist. Auch wenn ich mich allein auf den Weg machte hatte ich nie Probleme mein ziel zu finden. Übersichtspläne und Anzeigen in den Zügen, auch in lateinischen Buchstaben helfen hier vorzüglich.
In Berlin hätte ich bei dem Gedränge Angst um meine Sachen gehabt. Hier nie und hatte auch kein anderer Mensch. Ganz Japan ist, was dies angeht sehr sicher. Würde man sich hier länger aufhalten, so würde man eindeutig für Berlin verweichlichen.
Entgegen allen Erzählungen kann Tokio auch preiswert sein. Sushi ist auf jeden Fall preiswerter als in Berlin. Es ist nicht billig, aber ich hatte schlimmere Befürchtungen. Beachtet man ein paar Regeln, so bekommt man sehr anständiges Essen und Trinken für einen guten Preis. Allerdings sollte man auf ein Bier im Hotel verzichten. Besorgt man es sich im nächsten Kombini, so ist es um den Faktor 4 günstiger, besser und man hat auch mehr im Glas (Pardon, der Dose). Das ist üblich, nicht nur wir machten es so, man sah auch die Japaner mit den üblichen Plastiktüten durch die Lobby laufen und in den Fahrstuhl steigen.
Tokio ist faszinierend. Eine der modernsten Städte der Welt, eine der drei größten Städte (so würden es Japaner ausdrücken), dabei aber auch mit idyllischen Inseln gesegnet. Oft sind es nicht die bekannten Plätze, wie der Kaiserpalast, sondern die kleinen Parks, in denen Familien lagern und Kirschblüten bewundern. An manchen Stellen findet man dann auch immer noch das alte Japan, mit kleinen Läden oder winzigen Häusern. Man muss sich nur konzentrieren und die Hochhäuser und Autokolonnen ausblenden, die diese Orte auch umspülen. Japaner machen das so.
Ich könnte noch viel schreiben, aber es soll ja nur ein Eindruck machen und nicht alles erzählen, was wir sahen und erlebten, dazu dienen die vielen Fotos, die Gespräche und der geplante Bildband.
Thomas H. Reiche; 1. Bass

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Dienstag, 1. Juni 2010, 20:24

Hiroshima

Bleibt man auf den engen touristischen Pfaden, so drängt sich leicht der Eindruck auf, Hiroshima, das ist „nur“ der Platz, an dem zum ersten Mal eine Atombombe gegen Menschen eingesetzt wurde.
Das ist ein wichtiger Teil Hiroshimas. Der Friedenspark ist ein Ort, den ein jeder einmal besuchen sollte. Es ist auch nicht wichtig, wie man den Abwurf bewertet: Kriegswichtig. Kriegsverkürzend. Rache. – Das alles ist egal! Wer am Kinderdenkmal stand, der wird ähnlich denken, wie ich, dass man alles daran setzen muss diese Waffen zu verbannen, dass Frieden ein Gut ist, für das jeder Mensch kämpfen sollte.
Alle, die in der Gruppe waren wurden still. Niemand entzog sich diesem Ort. Natürlich wurde diskutiert, wie die Japaner Dinge im Museum darstellen, wie die Amerikaner sich verhalten haben, was die Gründe waren, aber jeder war bewegt.
Man steht am Fluss, am A-Dome und blickt nach oben. Vor 65 Jahren ca. 500 Meter über dieser Stelle explodierte die erste Atombombe. Überall an den Monumenten, besonders am Kinderdenkmal, haben japanische Kinder und Jugendliche Papierkraniche abgelegt. Zu Tausenden liegen sie hier. Ein Symbol der Jugend gegen diese Waffe.
Das ist die eine Seite. Dann wird es Nacht und wir gehen Essen. Das Essen ist fröhlich und lecker. Die Chefin am Tresen 84 Jahre jung. Man verständigt sich mit Englisch und Händen und Füßen. Wir singen Ageo Iza. Fröhliches Lachen begleitet den Abend. Nach dem Essen trenne ich mich von der Gruppe und spaziere quer durch die Innenstadt.
Überall sind Straßenmusiker. Mal wird traditionelle japanische Musik gespielt und ich halte an. Der Mann ist vielleicht 25, ich umstehe ihn mit 30 Japanern. Eine ältere Dame erzählt mir, dass er sehr gut ist und fragt mich, wie es mir gefällt. Ich betone, dass es mir sehr gut gefällt. Dann schlendere ich weiter. Nach 50 Metern halte ich bei einer jungen Frau, die Blues spielt. Das könnte man so vielleicht auch in New Orleans hören. So geht es immer weiter. Der Blues wird von einer Punkrockband abgelöst. Dann singen ein paar Leute etwas ohne Begleitung, es gibt Japanpop, genau wie einen Geiger, der Bach spielt. Die Menschen sind sehr fröhlich und extrem freundlich. Musiker, die eine Pause machen und sich mit mir unterhalten finden es klasse, dass ein deutscher Chor in Japan singt, schade, nur diesmal nicht bei ihnen.
Das ist eine völlig andere Seite! So fröhlich, gelockert. Man ist viel entspannter als in Tokio. Man muss nicht auf dem aller neusten Trend schwimmen. Es ist eine wunderbare Atmosphäre.
Während des Aufenthalts in Hiroshima, besuchen wir auch Miyajima. Die Insel der Tempel und Schreine. Hier ist Japan sehr japanisch. Wir erleben eine traditionelle Hochzeit mit Geistervertreibung. Wir erleben wunderbaren, sehr meditativen Regen. Trotz des Wetters ist es einfach schön. Auch dies ist eine der faszinierenden Bilder, Facetten Japans.
Thomas H. Reiche; 1. Bass

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Dienstag, 1. Juni 2010, 20:25

Kyoto

Ich habe eine Maiko gesehen! Ich habe sie auch fotografiert. Maiko sind die Geishaschülerinnen. Mit den weißen Gesichtern und kostbaren Kimonos. Auch ein Blick auf das traditionelle Japan.
Kyoto ist der Gegenpol zu Tokio. So viele Kimonos in den Straßen. Das alte Schloss des Shogun, der Schrein von Hideoshi, Zengärten, Pavillons (silbern und golden), der Philosophenweg.
Ich nahm an einer verkürzten Cha-no-yu teil (Teezeremonie). Kyoto ist schön. Wirklich. Ein Höhepunkt am Ende der Reise, die nur aus Höhepunkten bestand. Trotzdem ist Kyoto nicht ein Museum sondern sehr lebendig. Die Märkte mit ihrem Gewusel, die Straßen voller Verkehr.
Neben der Geschichte, Kyoto war die längste Zeit die Hauptstadt Japans, ist es eben auch eine Großstadt. Man merkt den Menschen an, wie sehr sie stolz sind auf die Traditionen, wie wichtig es ihnen ist in der „alten“ Hauptstadt zu leben. Das hindert sie aber nicht daran auch moderne Japaner zu sein.
Jede der besuchten Städte hatte einen ganz eigenen Charakter. Es wie bei uns Bayern ist nicht Niedersachsen, Oldenburg ist nicht Berlin. Japan ist bunt, ja jede Stadt ist bunt und modern. Manches ist anders, aber es gibt eben auch zu uns Gemeinsamkeiten.
Dabei haben wir nur einen ganz kleinen Blick auf Japan geworfen. Mehr ging ja nicht. Aber wir werden Dinge anders sehen und verstehen, wenn in den Nachrichten über Japan berichtet wird.
Thomas H. Reiche; 1. Bass

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Dienstag, 1. Juni 2010, 20:25

Ausflüge, Busse und Shinkansen

Bis jetzt habe ich ja nur über die großen Orte unserer Reise berichtet. Wir haben aber auch kleinere Orte besucht. „Sage nicht großartig, bevor Du in Nikko sahst.“
Nikko mit dem Grab des Ieyasu Tokugawa ist ein Symbol der Macht der Tokugawa-Shogune und es ist wunderschön. Die Schreine sind golden und rot. Überall sind die drei Malven der Tokugawas zu sehen, japanisches Mittelalter wird hier lebendig. Diesen Ort besuchte die Liedertafel 1980 nicht, es war auch für die, die erneut dabei waren, ein neuer Eindruck.
Verlässt man Tokio und fährt nach Nikko, so kommt man an Bambuswäldern und Reisfeldern vorbei. Nikko liegt, wenn man unsere Maßstäbe anlegt im Mittelgebirge. Die Landschaft ist reizvoll, der Ort geschichtsträchtig.
Anders, aber auch aus der alten Zeit ist Kamakura, mit dem großen Buddha. Entspannt sitzt er da. Die Figur strahlt Ruhe aus. Man ahnt etwas von dem, was Buddha lehrte. Die Stadt ist klein, wenn man gerade in Tokio ist. Sie hat etwas heimliges. Die Läden sind beschaulicher, es ist weniger Hektik zu spüren. Man betritt Schreine und Tempel, der milde Regen fällt und man kann sich versenken und Ruhe finden.
Wie bei uns alte Kirchen, so strahlen die Tempel und Schreine Dauerhaftigkeit aus. Sie besitzen trotz der vielen Besucher eine eigenen Ruhe. Manchmal muss man sich abwenden, um sie zu hören, aber man kann sie finden.
Zwischen den Orten bewegen wir uns in den Bussen oder dem Shinkansen. Die Busse sind etwas enger, als wir es gewohnt sind. Für mich als großen Menschen ist es auf längeren strecken schon ein wenig eng, aber daas soll kein Kuraufenthalt sein, das ist eine Erlebnisreise (auch die Konzerte sind Erlebnisse).
Der Shinkansen und der ICE können sich das Wasser reichen. Was für den Shinkansen spricht? Seine Pünktlichkeit! Ein sehr modernen Schnellzug, nach dem man die Uhr stellen kann. Die Züge mit ihrem Entenschnabel (neuste Baureihe) sehen futuristisch aus. Man sieht Japan vorbeirasen und fühlt sich sicher und gut aufgehoben.
Mit unserem Railpass und den Platzkarten ist es sehr bequem. Es ist auch verhältnismäßig preiswert, jedenfalls verglichen mit dem, was die Japaner zahlen. Trotzdem ist es ein sehr beliebtes Verkehrsmittel, was nicht verwundert.
Mit Nara besuchten wir auch die älteste feste Hauptstadt Japans. Wir sahen den Fußabdruck eines Gottes und die heiligen Hirsche. Wir waren im größten Holzhaus der Welt (eins der drei größten). Leider hatten wir auch hier Regen.
Ja, der Regen war ein treuer Begleiter. Verließ er uns für ein, zwei Tage, kehrte er sicher wieder zurück. Aber er sorgte auch dafür, dass wir nicht schwitzten und die Kirschblüte frisch blieb. So konnten wir sie immer bewundern.
Hakone mit seinen Schwefelquellen und schwarzen Eiern, auch wieder sehr gebirgig, war ein Landschaftserlebnis. Aufregend! Man spürt hier, dass Japan zu den geologisch aktivsten Gebieten der Welt gehört. Die thermale Wärme dringt so hoch, dass man im Wasser die Eier hart kochen kann. Der Schwefel färbt sie dann schwarz.
In Himeji hatten wir dann wirklich gutes Wetter. Die Sonne strahlte über der Stadt und der Burg. Tausende Japaner saßen im Park und bewunderten die Kirschblüte. Es ist eine der mächtigsten und schönsten Burgen. Die einzige mit sieben Stockwerken. – aber wir merkten auch, wie anstrengend es hätte werden können, wenn es immer so heiß gewesen wäre.
Die Stadt und die Burg sind von einer besonderen Schönheit und sind wieder auch diese Mischung von altem Japan und modernem. Der Bahnhof, die Einkaufsstraßen, das gehört ins 21te Jahrhundert, aber die Burg mit dem Park, sie wurden noch von den Oda begonnen und vom Taiko (Hideoshi) beendet.
Auch die japanische Tierwelt sah vorbei oder wir bei ihr: Makaken im Gebirge, Kois im Teich, Hirsche (hatte ich ja schon), Schildkröten und Reiher (kann auch ein Kranich gewesen sein, glaube aber, es war ein Reiher).
Wie Vielfältig bist Du, Japan!
Thomas H. Reiche; 1. Bass

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Dienstag, 1. Juni 2010, 20:26

Noch etwas zum Schmunzeln und ein paar Bemerkungen

Vor unserem Hotel in Tokio sprachen mich ein paar junge Frauen an. Wir unterhielten uns über meinen Aufenthalt und ich erzählte von unseren Konzerten. – Was für Konzerte? – Männerchor! –
Hektisches Geflüster. Ungläubiges Staunen. „Ein Männerchor? Aber, sie sind doch jung, so alt sind sie doch noch nicht!“
Ich nehme das mal als Kompliment.
Das ist jetzt ein wildes Durcheinander wird manch ein Leser denken. Ja, aber ich wollte die Stimmung transportieren, die Gefühle und Empfindungen. Den Ablauf, kann man sich sehr leicht besorgen. Es gibt Möglichkeiten auch jetzt noch direkt die Abläufe aus Japan zu verfolgen. Über unsere HP, Facebook und das Chorforum. Viele Beiträge sind direkt in Japan geschrieben worden, Fotos nur Stunden nach ihrer Entstehung hochgeladen worden. Dies hier dient meiner Meinung nach einem anderen Blickwinkel.
Ich mag die asiatischen Religionen, aber man darf auch eines erzählen: In Kyoto war neben dem Hotel eine Kirche. Vor dem Gemeindeladen schlief ein Obdachloser. Die Christen vertrieben ihn nicht. Im Gegenteil, sie versorgten ihn.
Das selbe Bild vor einer winzigen Kirche in den Einkaufspassagen. Neben auch negativen Dingen hat unsere christliche Tradition zu sozialen Reformen und Gesetzen geführt. Ein System, das als Netz dient, wie bei uns, gibt es in Japan nicht.
Japan ist extrem sauber. Ich habe gesehen, wie ein Geschäftsmann die Straße vor seinem Geschäft in Tokio mit dem Staubsauger bearbeitete, um auch noch die Fugen des Pflasters sauber zu machen.
Japaner sind unglaublich freundlich. Aber sie sind nicht nachgiebig. Geht etwas nicht, so geht es nicht. Man kann dann nicht verhandeln: wir wollten einen Raum im Hotel in Kyoto haben, für 20 Minuten, ohne alles, nur um noch einmal gemeinsam das Ende der Reise zu würdigen. Umgerechnet 300 Euro sollten die 20 Minuten für einen Raum kosten, der einfach leer rumstand. Keine Diskussion half. Also machten wir es in der Lobby umsonst. Wir waren nicht ganz ungestört, die anderen Gäste und das Personal auch nicht. Aber hier ging es.
So ist vieles in Japan für uns unverständlich. Warum das Eine, aber das Andere nicht? Es sind andere Maßstäbe. Es ist eine sehr eigene Welt. Wir alle, ich zumindest, haben uns sehr wohl gefühlt. Wir haben Menschen getroffen, die zu Freunden wurden. Wir konnten alte Freundschaften auffrischen.
Wir alle sind enger zusammengerückt. Auch in der Reisegesellschaft sind Freundschaften entstanden. Dadurch haben wir neue Sänger und Mitglieder gewonnen. Auch aus diesem Blickwinkel ein Gewinn für alle.
Es ist eine Reise gewesen, die ich nicht vergessen werde. Sie hat mich erfüllt, bereichert. Mehr kann man nicht erwarten.
Thomas H. Reiche; 1. Bass

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